Die Schlagzeilen überschlagen sich: KI ersetze bald Entwickler, „Vibe Coding" mache Programmierer überflüssig. Wir wollten das nicht nach Gefühl, sondern nach Zahlen prüfen — und haben alle offenen „Entwickler"-Stellen in der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit ausgezählt. Das Ergebnis ernüchtert den Hype: KI-Kenntnisse werden derzeit in nur 5,6 % der Stellen verlangt — also in etwa jeder achtzehnten.
Kernzahl (Juni 2026): Von 3.284 offenen „Entwickler"-Stellen in der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit nennen nur 183 (5,6 %) KI. Konkrete KI-Coding-Assistenten (Copilot, Cursor) tauchen in gerade einmal 25 Stellen auf — das sind 0,76 %, etwa 1 von 131.
Was wir gezählt haben
Die Methode ist einfach und nachvollziehbar — jede:r kann sie wiederholen:
- Basis: Suche „Entwickler" in der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit (Deutschland). Zum Zeitpunkt der Auszählung: 3.284 Arbeitsstellen.
- Mit KI: „Entwickler KI" — Entwickler-Stellen, die KI erwähnen: 183 Stellen.
- Nur KI-Coding-Assistenten: „Entwickler Copilot" — 25 Stellen.
Die Daten sind öffentlich und wurden im Juni 2026 ausgezählt. Es handelt sich um eine Stichwortsuche, die Zahlen sind also Näherungswerte — die Größenordnung ist aber aussagekräftig.
Die Ergebnisse
- 5,6 % der Entwickler-Stellen (jede 18.) nennen KI oder Künstliche Intelligenz.
- 0,76 % (1 von ~131) nennen konkret KI-Coding-Assistenten wie Copilot oder Cursor.
- Die übrigen 94,4 % sind weiterhin „klassische" Entwicklung: Sprachen, Frameworks, Architektur, Datenbanken.
Nicht nur Deutschland: dasselbe Bild in Russland
Wir haben dieselbe Auszählung auf dem russischen Markt (hh.ru) durchgeführt — dort nennen 6,6 % der Entwickler-Stellen KI. Zwei verschiedene Märkte, fast dasselbe Ergebnis: rund 5–7 %. Wenn KI Entwickler tatsächlich „ersetzen" würde, sähe diese Zahl anders aus.
Was das wirklich bedeutet
Drei ehrliche Schlüsse, die die Zahlen zulassen.
Der Hype eilt der Einstellungsrealität deutlich voraus. Würde KI Entwickler wirklich ersetzen, müsste sich das zuerst in den Anforderungen der Arbeitgeber zeigen. Die Durchdringung liegt aber im einstelligen Prozentbereich — von einer „neuen Norm" ist sie weit entfernt.
KI ist eine Zusatzkompetenz, kein Ersatz. Innerhalb dieser 5,6 % gibt es kaum Stellen nach dem Motto „Wir brauchen keinen Entwickler, wir haben KI". Es gibt „Entwickler, die mit KI umgehen können" — und einen wachsenden, eigenen Bereich der KI-/LLM-Ingenieure, also Menschen, die KI bauen, nicht Menschen, die durch KI ersetzt wurden.
Gerechnet wird weiterhin mit dem Kopf, nicht mit dem Modell. KI beschleunigt das Schreiben von Code, aber Architektur, Systemgrenzen und die Entscheidungen, von denen abhängt, ob ein Produkt in einem halben Jahr neu geschrieben werden muss, treffen weiterhin Ingenieure. Genau deshalb sucht der Markt „Entwickler + KI", nicht „KI statt Entwickler".
Zum Zitieren
Wenn Sie die Zahl verwenden, zitieren Sie bitte so: Nach einer Auszählung von H-Studio nannten im Juni 2026 nur 5,6 % der Entwickler-Stellen in der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit KI (183 von 3.284). Über einen Link auf diese Auswertung freuen wir uns.
H-Studio Ansatz
Sie bauen ein Produkt und fragen sich, wo KI wirklich hilft und wo es echtes Engineering braucht? H-Studio ist ein architecture-first Engineering-Studio in Berlin: Wir fixieren Architektur und Scope vor dem Code, damit ein KI-beschleunigter Build nicht zum Rewrite in sechs Monaten wird. Erzählen Sie uns von Ihrem Projekt — wir ordnen ein, was KI beschleunigen kann und was sauber gebaut werden muss.
Häufige Fragen
Wie viele Entwickler-Stellen in Deutschland verlangen KI-Kenntnisse?
Nach unserer Auszählung in der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit im Juni 2026: 5,6 % (183 von 3.284) — also etwa jede achtzehnte.
Ersetzt KI Entwickler auf dem Arbeitsmarkt?
Die Daten stützen das nicht: Die überwältigende Mehrheit der Stellen ist klassische Entwicklung, KI erscheint als Zusatzkompetenz, nicht als Ersatz.
Wie verbreitet sind KI-Coding-Assistenten (Copilot, Cursor)?
Bislang in 0,76 % der Stellen (1 von ~131). Der Trend wächst, von einem „Industriestandard" ist er aber weit entfernt.
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Datenquelle: öffentliche Stellensuche der Bundesagentur für Arbeit (arbeitsagentur.de), Deutschland, Juni 2026. Methode reproduzierbar. Vergleichswert Russland: hh.ru, 6,6 %. Auszählung und redaktionelle Prüfung: Anna Hartung, H-Studio Berlin. Die Zahlen beruhen auf einer Stichwortsuche und sind Näherungswerte.