Unterschiedliche Website-Typen und was Crawler jeweils brauchen
SEO-Strategie muss den Website-Typ berücksichtigen: Ein Blog, eine SaaS-Website, ein Online-Shop und ein Marktplatz erzeugen unterschiedliche URL-Muster, Update-Dynamiken und Linkstrukturen. Entsprechend unterscheiden sich Crawl-Verhalten und Indexierungsrisiken.
Im Folgenden eine crawler-orientierte Einordnung der wichtigsten Website-Typen – mit den typischen operativen Regeln.
1) Blogs und Content-Projekte
Typisches Profil
- Hunderte bis wenige Tausend URLs
- überwiegend statische Templates
- neue Inhalte kommen regelmäßig hinzu; ältere Seiten ändern selten
Crawler-Prioritäten
- neue Artikel schnell entdecken
- Themenstruktur verstehen (Kategorien/Cluster)
- keine Ressourcen auf Archive/Tags/Duplikate verschwenden
Was in der Praxis funktioniert
- Starke interne Verlinkung zwischen Artikeln und Themen-Hubs (Kategorien, Pillar-Pages). Crawler folgen Linkgraphen.
- Kontrollierte Taxonomie (Kategorien/Tags). Tag-Seiten erzeugen häufig viele dünne, fast identische Listen.
- Entweder nur einen kuratierten Teil indexieren
- Oder Tag-Seiten mit eigenem Text und klarer Intention als Landing-Pages ausbauen
- Canonical-Regeln für Mehrfach-URL-Pfade (z. B. Artikel über Datumspfad und über Kategorie erreichbar).
- Pagination- und Archiv-Hygiene: keine unendlichen Kalenderpfade, keine leeren Seiten, keine Duplikate.
Verlinkungsregel
„Weiterlesen"-Blöcke helfen Nutzern und Crawlern — aber relevant und begrenzt. Wenige starke semantische Links sind besser als viele zufällige.
2) Corporate- und SaaS-Websites
Typisches Profil
- Dutzende bis wenige Hundert URLs
- Service-/Produktseiten, About, Cases, Blog, Docs
- häufig private Bereiche (Login/App), die nicht indexiert werden sollen
Crawler-Prioritäten
- klare Struktur und Themenzuordnung ("Worum geht es hier?")
- saubere Trennung von Public Content und Private App
- konsistente Sprach-/Lokalisierungs-Signale
Was in der Praxis funktioniert
- Saubere Hierarchie: Services → Sub-Services, Solutions → Use Cases/Industrien, Docs → Sektionen → Artikel.
- Fehlblockaden vermeiden: robots-Regeln oder Staging-Schutz bleiben oft aus Versehen live.
- Dokumentation als crawlbarer Wissensbereich:
- Inhaltsverzeichnis/Indexseiten, die alle Docs verlinken
- Querverlinkung zwischen verwandten Artikeln
- stabile URLs und konsistente Navigation
- Mehrsprachigkeit korrekt umsetzen:
- hreflang zwischen Sprachversionen
- Canonicals pro Sprache korrekt (keine Cross-Language-Canonical-Fehler)
E-E-A-T operativ
Bei vielen SaaS-/Corporate-Seiten sind Vertrauenssignale entscheidend für die Bewertung nach dem Crawl:
- Autorenschaft (wo sinnvoll),
- klare Kontakt-/Unternehmensdaten,
- Policies und transparente Verantwortlichkeit.
Das erhöht nicht die Crawl-Rate direkt, reduziert aber Interpretationsrisiko und verbessert die Qualität der Indexierung/Einordnung.
3) E-Commerce (Online-Shops)
Typisches Profil
- Tausende bis Hunderttausende URLs
- hoher Duplikationsdruck (Produkte in mehreren Kategorien, Parameter, Sortierung)
- Facetten erzeugen URL-Explosionen
- Bestand/Preis ändern sich häufig
Crawler-Prioritäten
- wichtige Kategorien und nachgefragte Produkte effizient crawlen
- Filter-/Sortier-Varianten nicht zum Budgetfresser werden lassen
- Index sauber halten (Canonical, stabile Templates, wenig Thin Pages)
Was in der Praxis funktioniert
- Hierarchische, intuitive Kategorie-Struktur (Startseite → Kategorie → Subkategorie → Produkt).
- Eine kanonische URL pro Produkt:
- Produkt in mehreren Kategorien: dennoch eine Haupt-URL (canonical).
- keine zusätzlichen URL-Varianten pro Kategoriepfad erzeugen.
- Facetten selektiv indexieren:
- nur Kombinationen mit realem Suchbedarf (z. B. Kategorie + Marke).
- Long-Tail-Kombinationen (Multi-Filter, Mikro-Varianten) unterdrücken.
- Filter-Varianten konsistent kanonisieren.
- Pagination crawlbar halten:
- echte Links zu Seite 2/3/4
- Infinite Scroll nie ohne crawlbare Pagination
- Produktseiten: Links kontrollieren:
- zurück zur Kategorie + kleine Anzahl relevanter Alternativen
- Review-/Q&A-Unterseiten strategisch behandeln (oft noindex sinnvoll)
- Nicht verfügbare Produkte:
- Entscheidung treffen: 404/410, Redirect, oder Seite behalten (mit klarer Strategie).
- auf Skalierung achten: große Mengen „toter" Seiten als Index-Bloat vermeiden.
Structured Data
Product/Offer/Review-Schema verbessern Interpretation und SERP-Ausspielung (nicht primär Crawling, aber Indexqualität und Darstellung).
4) Marktplätze, Aggregatoren, große Portale (50k+ URLs)
Typisches Profil
- sehr große und stark dynamische URL-Mengen (Listings, Anzeigen, UGC)
- Objekte kommen ständig hinzu und verschwinden wieder
- hohe Gefahr von Thin Pages und Near-Duplicates
- Crawl-Budget wird zum zentralen Engpass
Crawler-Prioritäten
- Routing: neue und wichtige Inhalte schnell erreichen
- unendliche Expansion/URL-Duplikation verhindern
- Frische bei zeitkritischen Listings sichern
- Index-Bloat vermeiden
Was in der Praxis funktioniert
- Strikte URL-Policy:
- keine unkontrollierten Filter-Permutationen
- keine leeren Ergebnis-Seiten indexierbar
- keine Session-/Tracking-Varianten als eigene URLs
- Begrenzte, hierarchische Navigation:
- Start → Hauptkategorien → Subkategorien → Objektseiten
- Listings mit begrenzter Anzahl Links pro Seite + crawlbarer Pagination
- Duplikate konsequent konsolidieren:
- Canonical-Regeln für Varianten (Regionen, Attribute, near-identische Objekte)
- oft: weniger, aber vollständigere Seiten statt vieler dünner Varianten
- Schnelle Discovery für neue Objekte:
- Sitemaps häufig aktualisieren,
<lastmod> korrekt
- Push-Mechanismen nutzen, wo verfügbar (z. B. IndexNow im passenden Ökosystem)
- Zusätzliche Navigationspfade — kontrolliert:
- „Neu in deiner Nähe", „Beliebt", „Trending" kann helfen,
- darf aber keine Loops oder unbounded Link Growth erzeugen.
- Segmentierung nur bei echter inhaltlicher Trennung:
- Subdomains oder harte Pfadtrennung können Signale stabilisieren,
- aber nur, wenn die Trennung logisch ist und langfristig sauber gepflegt wird.
Skalierungsprinzip
Je größer die Website, desto weniger verzeiht der Crawl-Prozess:
- Kleine Websites können chaotisch sein und werden trotzdem indexiert.
- Große Websites brauchen Disziplin in:
- URL-Erzeugung,
- Canonicalisierung,
- robots/noindex-Strategie,
- interner Link-Routing-Logik,
- Vermeidung von Crawl-Traps.
Ziel bleibt immer gleich: Crawler-Zeit auf kanonischen, wertvollen, aktuellen Content maximieren — und Zeit auf Duplikaten, Thin Pages und unendlichen URL-Räumen minimieren.