Frisst Vercel dein Budget?
Wie du die Kosten in React & Next.js wirklich senkst – ohne Optimierungs-Fanatismus
Vercel ist eine der besten Plattformen für React- und Next.js-Projekte.
Schnelle Deployments, exzellente Developer Experience und moderne Edge-Infrastruktur.
Doch viele Teams erleben früher oder später dasselbe:
Die Kosten steigen – schneller als das Business.
Wichtig vorweg:
In den meisten Fällen ist nicht Vercel das Problem.
Sondern Architekturentscheidungen, die zu Beginn sinnvoll wirkten und später teuer werden.
In diesem Artikel schauen wir uns an:
- warum Vercel-Kosten plötzlich explodieren
- was das Billing wirklich beeinflusst (und was nicht)
- wie man Next.js effizient optimiert
- wo Optimierung in schädlichen Fanatismus kippt
Wie Vercel abrechnet (vereinfacht)
Die wichtigsten Kostentreiber:
- Serverless- und Edge-Ausführungen
- SSR- und ISR-Rendering
- Middleware
- Builds
- Bandbreite (vor allem Bilder)
- Analytics & Logs
Der häufigste Fehler:
Man schaut nur auf den Traffic, nicht auf die Rendering-Architektur.
Der größte Kostentreiber: Unnötiges SSR
Klassisches Szenario
- Next.js App Router
- Im Root-layout.tsx:
headers()
cookies()
auth()
draftMode()
Folge:
- alles wird dynamisch
- jeder Seitenaufruf kostet Geld
- auch Googlebot und Preview-Requests
Selbst auf reinen Marketingseiten.
Die Lösung
Saubere Trennung der Bereiche:
- Öffentliche Seiten → static oder ISR
- App / Dashboard → SSR
- Admin / Preview → SSR + draftMode
Beispiel:
export const dynamic = 'force-static'
oder
export const revalidate = 3600
Das allein spart oft den Großteil der Kosten.
Middleware: Unsichtbar, aber teuer
Middleware läuft bei jedem passenden Request:
- Bots
- Previews
- Statische Seiten
- Health-Checks
Häufige Fehlanwendungen
- Redirects
- i18n
- Tracking
- A/B-Tests
- Marketing-Logik
Besserer Ansatz
- Keine Middleware auf öffentlichen Seiten
- Redirects über vercel.json
- Auth nur im App-Bereich
"matcher": ["/app/:path*"]
ISR: Wenn Caching plötzlich teuer wird
ISR ist mächtig – aber gefährlich bei falscher Konfiguration.
Typische Probleme:
- zu kurze revalidate-Zeiten
- viele Seiten
- häufige Invalidierungen
Warnsignale
revalidate: 60 auf SEO-Seiten
- Cron-Jobs, die ISR triggern
- CMS-Speichern löst Rebuilds aus
Empfehlungen
- SEO-Seiten:
3600–86400
- Blog / Cases: ISR + on-demand
- Marketing ohne Updates: komplett statisch
Image Optimization: Sinnvoll, aber nicht gratis
Next/Image ist hilfreich, aber:
- jede neue Größe = neue Transformation
- mehrere Breakpoints vervielfachen Requests
Typische Fehler
- zu viele responsive Größen
- dynamische Dimensionen
- kein CMS-Limit
Best Practices
- feste Größen
- gutes CDN-Caching
- voroptimierte WebP / AVIF für Hero-Images
Builds: Der stille Kostentreiber
Jeder Build kostet Geld.
Häufige Ursachen
- Preview-Deployments bei jedem Commit
- Bots triggern Builds
- CMS-Hooks rebuilden unnötig
Basis-Hygiene
- Preview-Deployments begrenzen
- keine Builds bei Draft-Content
- Deploy-Hooks prüfen
Analytics und Overengineering
Analytics ist selten der Hauptgrund, aber:
- serverseitiges Tracking
- exzessive Logs
- Debug-Modi
können Kosten unnötig erhöhen.
Faustregel
- Marketing → Client-Side Analytics
- Server-Side nur bei echtem Bedarf
- Logs minimal halten
Wenn Optimierung zu Fanatismus wird
Ein sehr wichtiger Punkt.
❌ Schlechte Optimierung:
- Architektur umbauen für 20 € Ersparnis
- Developer Experience zerstören
- unnötige Komplexität
- SSR grundsätzlich verteufeln
✅ Gesunde Optimierung:
- SSR nur dort, wo nötig
- Middleware reduzieren
- Caching verstehen
- Kosten bewusst steuern
Wenn ein Produkt Umsatz macht, sollte Infrastruktur Wachstum ermöglichen, nicht blockieren.
Checkliste bei hohen Vercel-Kosten
- Dynamische APIs in öffentlichen Layouts?
- Middleware auf
/?
- SSR auf Marketingseiten?
- revalidate-Werte
- Anzahl Builds
- Image-Optimierung
- Preview-Deployments
- CMS-Preview / Drafts
- Server-Side Analytics
- Bot-Traffic
Fazit
Vercel „frisst" kein Geld.
Es rechnet ehrlich für Architekturentscheidungen ab.
In den meisten Fällen brauchst du:
- kein Hosting-Wechsel
- kein Kubernetes
- kein Self-Hosting
Sondern:
- klare Rendering-Grenzen
- weniger Middleware
- sauberes Caching
Optimierung ist ein Werkzeug.
Fanatismus schadet dem Produkt.